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25 Jahre IFA:
Ein Pionier unter den Integrationsbetrieben feiert Jubiläum


Im Rahmen der Feier zum 25-jährigen Bestehen hat der Heidelberger Integrationsbetrieb IFA seine Gründungsmitglieder Ulrich Bähr und Ulrich Floß in den Ruhestand verabschiedet. Neue Geschäftsführer sind Jörg Schmidt-Rohr und Hubi Cramer.
 

Mit Festakt und Fete hat am Freitag, 5. Oktober, die IFA in Heidelberg ihren Geburtstag gefeiert: Seit 25 Jahren hat es sich die Initiative zur Aufgabe gemacht, Arbeitsplätze für psychisch Kranke zu schaffen. Anlässlich des Jubiläums erinnerten zahlreiche Mitstreiter und Weggefährten an die Anfänge der IFA in den 80er Jahren und ließen die Entwicklung vom kleinen Verein zum heute weitgehend selbstständig wirtschaftenden mittelständischen Betrieb eindrücklich und gewürzt mit vielen persönlichen Anekdoten Revue passieren. Gleichzeitig galt es an diesem Tag „Lebt wohl“ zu sagen, denn die langjährigen Geschäftsführer und IFA-Gründungsmitglieder Ulrich Bähr und Ulrich Floß wurden in die Ruhephase ihrer Altersteilzeit verabschiedet. Weit über 150 Gäste waren der Einladung gefolgt – unter ihnen der Bundestagsabgeordnete Lothar Binding und die ehemalige Oberbürgermeisterin Beate Weber, die ihre Glückwünsche persönlich überbrachten. Als Festsaal diente die große Werkhalle der IFA in der Rohrbacher Fabrikstraße, die kurzerhand freigeräumt und mit Biertischen bestückt worden war.

Als „Pionier unter den Integrationsfirmen in Deutschland“ würdigte Berthold Sommer, Geschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft Integrationsbetriebe, die IFA. Den Gründern Ulrich Bähr und Ulrich Floß dankte er für deren Loyalität, Basisnähe, Kreativität und Durchhaltevermögen. „Ohne Vorreiter wie Sie wären wir nie so weit gekommen“, betonte er. Auch für die Zukunft müsse die Ausrichtung am allgemeinen Arbeitsmarkt, wie die IFA sie praktiziert, Markenzeichen der Integrationsfirmen bleiben. Nur so sei das Überleben gesichert, zeigte sich Sommer überzeugt.

Karl-Friedrich Ernst, Leiter des Integrationsamtes beim Kommunalverband für Jugend und Soziales (KVJS) Baden-Württemberg, erinnerte sich in seinem Grußwort an „zwei bunte Vögel“, die im Oktober 1990 mit einem Konzept in sein Büro gekommen seien, mit dem er damals nichts habe anfangen können. Glücklicherweise gebe es mittlerweile ein solides Instrumentarium, um Firmen wie die IFA zu fördern. Mit Blick auf den improvisierten Festsaal meinte Ernst schmunzelnd in Richtung Bähr und Floß: „Sie sind sich immer treu geblieben und haben nie geprotzt.“ Gleichzeitig habe die IFA vielen Menschen, die sonst durchs soziale Netz gefallen wären, geholfen sich eine Existenz aufzubauen.

Diese Leistung hob auch Bürgermeister Dr. Joachim Gerner hervor: Die IFA ermögliche es ihren Mitarbeitern, unter marktnahen Verhältnissen, aber auch unter Berücksichtigung der individuellen Situation jedes Einzelnen eigenes Geld zu verdienen und soziale Beziehungen zu knüpfen. „Darauf können Sie stolz sein“, so Gerner. Für die Stadt Heidelberg werde die IFA auch in Zukunft ein wichtiger Partner bleiben, betonte er.

Die Anfänge des Auf- und Ausbaus der ambulanten Psychiatrie hat auch Heidi Flassak vom Psycho-Sozialen Arbeitskreis Rhein-Neckar (PSAG)  miterlebt und auch sie weiß um die Bedeutung von Arbeit als „wirksame Medizin“. Mit ihrer Gründung habe die IFA eine „Riesenlücke am Arbeitsmarkt“ gefüllt, so Flassak. Den beiden „Urgesteinen der Sozialpsychiatrie“ Bähr und Floß dankte sie für deren „fast schon chronisches Engagement“.

Lange Jahre der Zusammenarbeit verbinden auch die Freudenberg Stiftung und die IFA. Zum Jubiläum hatte Kuratoriumsmitglied Dr. Dorothee Freudenberg deshalb eine ganz besondere Überraschung parat: Sie überreichte den Verantwortlichen einen Gutschein über 1000 Euro verbunden mit dem Wunsch, mit dem Geld die IFA-Arbeit weiterzuentwickeln.



Schließlich bat Vorstandsmitglied Sebastian Kern die beiden bereits so hochgelobten IFA-Gründerväter Ulrich Bähr und Ulrich Floß auf die Bühne, um sie zu „IFA-Ehrenmitgliedern“ zu ernennen. Der ehemalige IFA-Zivi beglückwünschte das eingespielte Team augenzwinkernd zur Silberhochzeit und zum gemeinsamen Baby namens IFA. Kern zollte den Gründern Respekt für den Mut, den sie vor 25 Jahren aufgebracht hatten: Als junge Familienväter hatten damals beide ihre sicheren Arbeitsverträge für das Projekt IFA aufgegeben. Mit ihrer Arbeit, so Kern, hätten Bähr und Floß Anerkennung, Integration und Selbstverwirklichung für tausende von Menschen ermöglicht. Denn auch außerhalb der IFA seien die beiden engagiert und würden als „Schwergewichte“ gehört.

Die beiden scheidenden Geschäftsführer ihrerseits blickten ein bisschen wehmütig zurück und dankten Mitarbeitern und Weggefährten für die gemeinsame Zeit. Ausdrücklich betonten sie die gute Zusammenarbeit mit den Institutionen von der Stadtverwaltung über die Arbeitsagentur bis hin zum Landratsamt, mit denen man sich zwar das ein oder andere Mal „gefetzt“, schlussendlich jedoch immer auf tragfähige Lösungen geeinigt habe. Nicht unerwähnt ließen Bähr und Floß auch die größte Krise der IFA in den Jahren 2001 und 2002: Das Finanzamt forderte damals eine Rückzahlung von 500 000 Euro, mit der Begründung, die Quote der schwerbehinderten Mitarbeiter bei der IFA sei nicht hoch genug. Nur die breite Unterstützung quer durch alle Parteien habe das Unternehmen damals vor der Aus bewahren können. Doch die Erinnerung an solche Aufreger hat auch ihr Gutes: Sie macht den Abschied leichter. Und so freuen sich die künftigen Ruheständler auf viel Freizeit, die sie mit Wandern und Singen, mit Joggen und Kultur und natürlich mit den Enkelkindern verbringen wollen.

Die Geschäfte der IFA führen künftig Jörg Schmidt-Rohr, derzeit Geschäftsführer des Qualifizierungs- und Beschäftigungsträgers VbI Heidelberg, und Hubi Cramer, bisher Verwaltungsleiter der IFA. Durch die gemeinsame Führungsstruktur von VbI und IFA sollen Synergien besser genutzt werden können. In seinem Ausblick auf „die nächsten 25 Jahre der IFA“ erklärte Jörg Schmidt-Rohr: „Die neue Struktur bedeutet keine Fusion.“ Alle Betriebe der IFA vom Abbruchunternehmen über Möbeltransporte bis hin zum Malerbetrieb und den Second-Hand-Läden blieben auch weiterhin bestehen. Sein Ziel sei es, die Geschäftsfelder zu stabilisieren und weitere (Nischen-)Märkte zu erschließen, bei denen mit ausreichenden Erlösen zu rechnen sei, denn der Bedarf an geschützten Arbeitsplätzen sei groß. „Am Grundkonzept, Arbeitsplätze für psychisch Kranke bereit zu stellen, wird nicht gerüttelt“, betonte der neue IFA-Geschäftsführer, ehe er die Gäste zum gemeinsamen Feiern und Schmausen bei einem abwechslungsreichen Bühnenprogramm mit Versteigerung, Zaubershow und viel Musik einlud.

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